Die 10 besten Tauchplätze in China
China hat über 14.500 Kilometer Küstenlinie und liegt im Randbereich des Korallendreiecks — und trotzdem ist Tauchen in China für westliche Reisende weitgehend Terra incognita. Die Gründe sind struktureller Natur: Genehmigungsauflagen, sprachliche Barrieren und eine Infrastruktur, die sich primär an chinesischsprachige Taucher richtet. Wer die Hürden überwindet, findet auf Hainan, vor Guangxi und vor der chinesischen Südmeeresküste Riffe, die trotz erheblichem Fischereidruck partielle Intaktheit bewahrt haben, und ein Liveaboard-Angebot, das in den letzten Jahren erheblich gewachsen ist.
1. Sanya, Hainan
Sanya ist Chinas meistgetauchte Destination und die logistischste Basis für alles, was das Südchinesische Meer zu bieten hat. Die lokalen Riffe in der Sanya-Bay beginnen in 5 Meter und fallen auf 20 Meter; Acropora-Korallen, Clownfische in Anemonen und Zebrafische sind Standardmotive. Das Wasser ist warm: 25–29 °C ganzjährig. Sichtweite 8–15 Meter in Rifffnähe; mehr auf den entfernteren Spots. Viele PADI-zertifizierte Tauchzentren; OW-Kurse auf Chinesisch und Englisch.
2. Wuzhizhou Island (Lovers Island), Hainan
Diese kleine Insel 15 Kilometer nördlich von Sanya ist das Herzstück des Hainan-Tauchens. Riffe in 5–25 Meter mit gesunden Korallen, Meeresschildkröten und einem überraschenden Reichtum an Riffhaien. Ein bewusster Schutzbeschluss hält motorisierte Fischerboote fern; das Ergebnis ist eine Fischdichte, die Sanya selbst nicht mithalten kann. Beste Zeit: März bis Oktober. Boote fahren regelmäßig ab Haipo in Sanya; OW und Advanced gleichermaßen gut bedient.
3. Weizhou Island (Guangxi)
Vor der Küste von Beihai liegt Weizhou Island, ein erloschener Vulkan im Nordteil des Südchinesischen Meeres — und der nördlichste Punkt, an dem noch echte tropische Korallenriffe existieren. Die Basaltfelsen unter Wasser bilden ungewöhnliche Strukturen; Gorgonien, Weichkorallen und Muränen beleben Spalten und Höhlen. Sichtweite 10–20 Meter in der Trockenzeit (Oktober bis April). Erreichbar per Fähre von Beihai. Wenige Touristeninfrastruktur; lokale Tauchguides sprechen kaum Englisch.
4. Yongle Atoll (Chagos-parallel), Paracel Islands
Technisch und politisch komplex: Die Paracel-Inseln werden von China, Vietnam und Taiwan beansprucht, sind aber de facto von China kontrolliert. Für Taucher, die Liveaboards ab Sanya nutzen, ist Yongle eines der beeindruckendsten Riffe im chinesischen Einflussbereich — mit Wandabfällen auf 40+ Meter, außergewöhnlichen Gorgonien und einer Fischbiomasse, die an unbefischte Gebiete erinnert. Zugang über zugelassene chinesische Liveaboard-Operatoren; Fremdsprachige benötigen Sondergenehmigung.
5. Dongshen Reef, östlich von Hainan
Dongshen ist weniger bekannt als Wuzhizhou, aber von Kennern bevorzugt. Das Riff liegt in 8–28 Meter Tiefe; große Tischkorallen, Seepferdchen und Tintenfische. Da keine Tagestouristen in Scharen anlanden, ist die Korallendichte höher. Für Fotographen: das Licht am späten Morgen ist auf dem Riff besonders günstig. Zugang per Charter aus Sanya; OW mit etwas Erfahrung.
6. Xiaomaidao, Nähe Qingdao
Für Taucher, die nicht bis Hainan reisen wollen: die Küste vor Qingdao im Gelben Meer ist keine tropische Destination, bietet aber Kelpwälder in 8–15 Meter Tiefe, Seepferdchen, Tintenfische und eine Ruhe, die Hainan-Spots selten haben. Wassertemperatur: 8–22 °C saisonal; Trockentaucher oder dicker Neopren ab Oktober bis Mai. Einheimische Clubs tauchen hier am Wochenende; ohne Kontakt zu einem lokalen Verein ist der Zugang schwierig.
7. Dalian (Liaoning), Nordküste
Im Norden des Gelben Meeres, nahe der russischen Grenze, bietet Dalian Tauchen in Gewässern, die keiner tropischen Destination gleichen: Stumpfer Seetang, Seeotter und Seesterne dominieren das Bild. Wassertemperatur im Sommer bis 22 °C, im Winter unter 5 °C. Ein Nischenprodukt für Kaltwassertaucher; die einheimische Tauchszene ist aktiv und bietet Rettungs- und Technikseminare.
8. Siming Bay, Xiamen
Xiamen liegt auf der Meerenge zwischen Festlandchina und Taiwan und hat ein historisches Fischerei- und Küstenökosystem. Tauchgänge in 6–18 Meter auf kiesigen Böden mit Seegrasmatten; Tintenfische und Bambushaie. Sicht nur 5–10 Meter wegen natürlicher Trübung durch den Minjiang-Fluss. Für Einsteiger und Wiedereinsteiger ohne hohe Ansprüche an Sicht und Biodiversität; logistisch einfach.
9. Hainan Offshore Pinnacles
Mehrere lokalen Guides bekannte Unterwasserpinnacles südlich von Sanya bieten den besten Großfisch-Kontakt in Küstennähe: Zackenbarsche in erheblicher Größe, gelegentlich Mantas und Hammerhaie. Die genauen Koordinaten teilen Operatoren nur mit vertrauenswürdigen Kunden. Charakteristisch sind steile Wandabfälle auf 35–45 Meter; Advanced und Nitrox empfohlen.
10. Beibu Gulf Reefs (Guangxi-Küste)
Zwischen Weizhou Island und der vietnamesischen Grenze im Beibu Gulf liegen kaum kartierten Korallenriffe in 8–20 Meter Tiefe. Die Sicht ist eingeschränkter als auf Hainan (8–12 Meter), aber die Korallen sind gesund und die Fischdichte hoch, weil kommerzielle Trawler in diesem Bereich kaum operieren. Kein reguläres Touristentauchen; mit einem lokalen Veranstalter aus Beihai arrangierbar.
Praktische Hinweise
Hainan ist ganzjährig tauchbar; beste Sicht Oktober bis Mai. Weizhou: Oktober bis April (Trockenzeit). Für alle Spots in der Nähe von umstrittenen Inseln (Paracels) wird ausdrücklich eine Buchung über zugelassene chinesische Liveaboard-Operatoren empfohlen — der Eigenversuch ohne lokale Unterstützung ist bürokratisch kaum handhabbar. Visum für China erforderlich (ausgenommen Länder mit Visa-Abkommen); lokale SIM-Karte erleichtert Navigation erheblich. Auf der interaktiven Karte sind die bekannten eingetragenen Spots entlang der chinesischen Küste einsehbar.