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Die 10 besten Tauchplätze in Eritrea

Eritrea besitzt eine der am wenigsten erforschten Küsten des Roten Meers. Jahrzehnte politischer Isolation und fehlende touristische Infrastruktur haben die Riffe des Dahlak-Archipels in einem Zustand bewahrt, der anderswo im Roten Meer längst verlorengegangen ist. Fischerboote sind rar, Taucherboote noch seltener. Wer die logistischen Hürden – eingeschränkte Visa, begrenzte Bootsmietmöglichkeiten, kein kommerzielles Tauchangebot vergleichbar mit Hurghada oder Aqaba – überwindet, findet ein Unterwasserparadies von außergewöhnlicher Reinheit. Wassertemperaturen liegen zwischen 24 Grad im Januar und 32 Grad im August; Sichtweiten oft über 30 Meter in den offenen Archipelgewässern.

1. Dahlak-Archipel – Außenriffe

Der Dahlak-Archipel umfasst über 200 Inseln und Atolle, von denen die meisten unbewohnt sind. Die Außenriffe zur Meeresseite zeigen Steilwände mit gesunden Schwarzkorallenbäumen, riesigen Tafelkorallen und einer Fischdichte, die an ungefischte Gebiete erinnert – weil sie vielerorts tatsächlich ungefischt sind. Napoleonfische, Zackenbarsche von beeindruckender Größe und Schulen aus Barrakudas sind Stammgäste. Tiefe bis über 40 Meter; empfohlen für Advanced Open Water aufwärts. Anfahrt nur per gecharterte Dhau oder Safari-Boot.

2. Difnein Island

Difnein ist eine der nördlicheren Inseln des Archipels und bekannt für unberührte Korallenplattformen in seichten Lagunen sowie Außenriffe mit spektakulären Abbruchkanten. Kleine Riffhaie und Warbonnetfische finden sich in den flachen Abschnitten; in der Tiefe tauchen sporadisch Tigerhaie und Hammerhaie auf. Wassertemperatur im Winter ausreichend warm für 3mm Anzug; im Sommer reicht ein Lycra-Suit. Einer der Plätze, die erfahrene Taucher aus dem Sudan und Yemen kennen und für ihre Unberührtheit schätzen.

3. Madote

Madote ist eine flache Koralleninsel mit einem Riff, das bereits in einem Meter Tiefe beginnt und eine breite Plattform aus Einzelkorallen-Köpfen zeigt, bevor es auf der Außenseite abfällt. Schildkröten legen hier in der Saison Eier, Fischzählungen durch Biologen haben überdurchschnittliche Artendichten dokumentiert. Das Tauchen in der Lagune ist entspannt und gut für Einsteiger; das Außenriff fordert mehr Erfahrung durch Strömung und Tiefe.

4. Dissei Island

Dissei liegt weiter südlich und gilt als eines der am besten untersuchten Riffe des Archipels. Wissenschaftliche Expeditionen haben hier über 300 Fischarten kartiert. Besonderheit: dichte Populationen von Schnecken und Weichtieren, die andernorts durch Sammelei dezimiert wurden, finden sich hier in voller Pracht. Nacktkiemer-Enthusiasten werden begeistert sein. Tiefe variabel; Sandpatches zwischen Korallen-Massiven bieten interessante Makro-Möglichkeiten.

5. Green Island

Green Island im südlichen Dahlak ist für seine Schildkröten-Konzentration bekannt. Grüne Schildkröten und Unechte Karettschildkröten nisten und ernähren sich in den Seegraswiesen rund um die Insel. Tauchen in den Seegrasfeldern ist ruhig und flach, auf dem Riff daneben lebhafter: Drückerfische, Trompetenfische und vereinzelt Walzen-Seekorallen in ungewöhnlicher Größe. Gelegentlich ziehen Dugongs durch – die eritreische Küste gehört zu den letzten Rückzugsgebieten dieser Tiere im Roten Meer.

6. Massawa-Vorhafen-Wracks

Im Hafenbereich von Massawa liegen mehrere Wracks aus dem äthiopisch-eritreischen Krieg (1998–2000) sowie ältere Versenkungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Sichtweite ist hafentypisch geringer, aber die Geschichtsdichte unter Wasser ist bemerkenswert. Stahlplatten, verrostete Maschinen und Fischerboote werden von Muränen und Löwenfischen bewohnt. Kein kommerzielles Angebot; Bootsgenehmigungen über Hafenaviso nötig.

7. Dur Gaam

Eine der wenigen Stellen, an denen der tiefe Schelf nahe der Küste liegt und senkrechte Wände direkt von einem kurzen Bootsritt erreichbar sind. Die Wand zeigt auf 20 bis 35 Metern eine Blüte aus Gorgonienfächern und Schwamm-Kolonien, die an die Besten aus dem ägyptischen Roten Meer erinnern. Pelagische Fische – Tuna, Wahoo – sind gelegentlich zu sehen. Strömungsabhängig; erfahrene Taucher empfohlen.

8. Assab-Küste – Südliche Riffe

Im äußersten Süden, nahe der Küste von Assab, liegen wenig bekannte Riffe, die einen anderen Charakter zeigen als der nördliche Archipel: Felsriffe mit starkem Bewuchs aus Steinkorallen, die vom Roten-Meer-Auftrieb profitieren. Gelegentliche Strömungen bringen Adlerrochen in die Sichtweite. Die Logistik ist die schwierigste des Landes; Expeditionen hierher sind bislang die Ausnahme.

9. Nocra Island

Nocra hat eine düstere Geschichte als Gefängnisinsel, doch das Riff rund um sie ist unberührt. Korallenplatten in flachen Abschnitten, dann eine klare Abbruchkante mit Tabularkorallen und Steinkorallenmassiven. Die Insel war unter dem äthiopischen Regime abgeriegelt und die Gewässer damit ungefischt – biologisch ist das eine Dividende, die heute sichtbar ist.

10. Buri Peninsula Coast

Die Küstenlinie der Buri-Halbinsel nördlich von Massawa zeigt durchgehend Mangroven-Küstenriffe, die als Kinderstube für Rifffish dienen. Wer sich in die Mangrovenkanäle wagt – Kajak und Schnorcheln empfohlen, kein Scuba nötig – findet juvenilen Fischreichtum: kleine Barrakudas, Kugelfische, Tintenfischlarven. Für Taucher interessant sind die Außenkanten der Mangrovenriffe in 5 bis 12 Metern Tiefe.

Praktische Hinweise

Eritrea ist kein einfaches Reiseziel. Ein Visumantrag muss vorab gestellt werden; Presseangehörige und Journalisten benötigen gesonderte Genehmigungen. Die beste Jahreszeit zum Tauchen ist November bis März, wenn die Temperaturen angenehm sind und der Nordwind für klares Wasser sorgt. Eine eigenständige Organisation mit gecharteter Dhau und mitgebrachtem Kompressor ist für Archipel-Tauchgänge die einzige realistische Option. Eine Übersicht aller erfassten Tauchplätze bietet die interaktive Karte.