Die 10 besten Tauchplätze in Bonaire
Bonaire ist unter erfahrenen Tauchern kein Geheimtipp mehr — und das aus gutem Grund. Die niederländische Karibikinsel hat eines der konsequentesten Meeresschutzsysteme der Welt eingerichtet: Das gesamte Küstenriff ist Meeresschutzgebiet, Anker sind verboten, und seit 1979 ist das Tauchen reguliert. Das Ergebnis ist ein Korallenriff in einem Zustand, der vielerorts in der Karibik längst Geschichte ist. Sichtweiten von 30 Meter sind normal, Wassertemperaturen konstant 26–29 °C, und die meisten Sites sind als Shore-Dives direkt von der Küste erreichbar.
1. Bari Reef, Vor Kralendijk
Bari Reef liegt direkt vor dem Divi Flamingo Beach Resort und ist einer der meistgetauchten Spots der Insel — zu Recht. Der Riffhang fällt von 5 auf 30 Meter ab und bietet alles: Frogfische in Gelb und Rostbraun auf Schwämmen, Trompetenfische, Flammenbarsche und gelegentlich Seenadeln. Der Einstieg ist unkompliziert; die Stelle ist rund um die Uhr betauchbar. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit lohnt ein Nachttauchgang: Oktopusse, Langusten und Tintenfische werden aktiv. Open Water; kein Boot nötig.
2. Salt Pier, Südküste
Der Salt Pier ist eines der außergewöhnlichsten Taucherlebnisse der Karibik. Unter den massiven Holzpfählen der Salzverladeanlage haben sich in Jahrzehnten üppige Kolonien aus Austernmuscheln, Schwämmen und Gorgonien entwickelt. Riesige Tarpon stehen im Halbdunkel; Kreuzotter-Blennies lugen aus Spalten. Tiefe: 5 bis 15 Meter. Wichtig: Der Pier ist in Betrieb — tauchen ist verboten, wenn Schiffe anlegen. Vor dem Einstieg beim lokalen Tauchzentrum nach Schiffsanläufen fragen. Open Water; Shore-Dive.
3. 1000 Steps (Piedra Haltu), Nordküste
Der Name ist irreführend: Es sind nur 67 Stufen, die zu einem der bekanntesten Riffe der Insel hinunterführen. Dafür ist der Abstieg mit Equipment ein echtes Training. Das Riff selbst hat drei Etagen: ein Flachriff in 5–8 Meter, einen Hang bis 20 Meter und einen Wandabfall bis 45 Meter. Seeschlangen, Echte Karettschildkröten und Trompetenfische teilen das Terrain. Advanced für tiefere Abschnitte empfohlen; OW für den Hang vollkommen ausreichend. Beste Sicht morgens.
4. Klein Bonaire — No Name Beach
Das unbewohnte Nachbareilanden Klein Bonaire ist der Kern des Bonaire-Nationalparks. No Name Beach auf der Westseite ist ein Shore-Dive mit einer der reichsten Korallenzusammensetzungen der Region: Elchgeweihenkorallen in 3 Meter, Hirnkorallen bis 12 Meter, dann ein Wandabfall mit Gorgonien. Schildkröten sind allgegenwärtig. Das Wasser ist ruhig; leichte Strömung entlang der Riffkante. Erreichbar nur per Boot (10 Minuten von Kralendijk).
5. Hilma Hooker, Südküste
Die Hilma Hooker ist ein 72-Meter-Frachter, der 1984 auf einer Drogentransportfahrt beschlagnahmt und kurz darauf versenkt wurde, als das Schiff zu sinken drohte. Sie liegt auf der Steuerbordseite in 18 bis 29 Meter Tiefe und ist komplett von Korallen bewachsen. Eine der imposantesten Wracktaucher-Erfahrungen Bonaires: Der Durchgang unter dem Rumpf in 22 Meter ist für Foto-Enthusiasten unwiderstehlich. Nassau-Zackenbarsche, Tarpon und Muränen bewohnen das Wrack. Advanced empfohlen; organischer und Sedimenttrübung gelegentlich.
6. Something Special, Nordküste
Der Name ist Programm. Neben grünen Meeresschildkröten, die hier besonders häufig gesichtet werden, ist Something Special bekannt für große Freischwimmer: Barrakudas, Tarpon und gelegentlich Zitronenhaie. Der Riffhang fällt gleichmäßig auf 30 Meter; Gorgonien in Orange und Lila kleiden die tieferen Abschnitte. Shore-Dive; Einstieg über grobes Korallenkies. Open Water mit etwas Erfahrung.
7. Andrea I und II, Nordküste
Zwei benachbarte Sites mit unterschiedlichem Charakter: Andrea I hat einen flachen Riffabschnitt mit ungewöhnlich vielen Seenadeln und Tintenfischen; Andrea II fällt steiler ab und bietet tiefere Riffformationen bis 30 Meter mit Frogfischen und Flecken-Tintenfischen. Beide sind Shore-Dives; die Kombination als Doppeltauchgang ist populär. Strömung gering bis moderat. Geeignet für OW- und Advanced-Taucher.
8. Karpata, Nordküste
Karpata liegt in einem abgelegeneren Abschnitt der Nordküste, den man mit eigenem Fahrzeug ansteuern muss. Das Riff gilt als eines der gesündesten der Insel: Schornsteinkorallen, Hirnkorallen und Fächerkorallen in unberührtem Zustand bis 25 Meter Tiefe. Maränen in ungewöhnlicher Größe, Kugelfische und gelegentlich Hammerhaie in tieferen Abschnitten. Shore-Dive; rauher Einstieg bei Seegang. Advanced-Zertifikat für tiefere Abschnitte sinnvoll.
9. Rappel, Nordküste
An der Stelle namens Rappel führt eine senkrechte Felswand direkt ins Meer — der Einstieg erfordert tatsächlich ein Abseilen oder Springen. Unter der Fläche beginnt sofort ein Wandabfall mit üppigem Korallenbewuchs. Blauer Hammerhai und Pelagische Trevally wurden hier gesichtet. Die Abgelegenheit und der schwierige Einstieg halten die Besucherzahlen gering, was der Unterwasserwelt zugute kommt. Nur für erfahrene Taucher; Advanced und gute Kondition erforderlich.
10. Windsock, Südküste
Unweit des Flughafens liegt Windsock, ein beliebter Einstiegsspot für Tauchkurse — wegen ruhiger Bedingungen und einem flachen, artenreichen Riffabschnitt in 4 bis 12 Meter. Schildkröten, Papageienfische und Trompetenfische sind Stammgäste. Nachmittags etwas belaufen durch Anfängerkurse; morgens oder abends ruhig. Shore-Dive; kostenloser Parkplatz.
Praktische Hinweise
Bonaire hat ganzjährig Tauchwetter; die Trockenzeit (Januar bis September) ist stabiler, Hurrikansaison (Oktober bis Dezember) bringt gelegentlich Regen aber selten echte Stürme. Das Tauchen erfordert eine einmalig gebuchte Marine Park Fee (gültig für ein Jahr). Shore-Diving ist das charakteristische Erlebnis Bonaires: Ein Pickup mit Tank in der Ladefläche, Tauchführer auf dem Armaturenbrett — in diesem System bewegt man sich auf der Insel. Zur interaktiven Karte für alle eingetragenen Tauchstellen Bonaires und Klein Bonaires.