Die 10 besten Tauchplätze in Albanien
Albanien ist eines der letzten unentdeckten Kapitel im Mittelmeer-Tauchen. Jahrzehntelange politische Isolation hielten die Küste praktisch frei von Massentourismus — und damit auch die Meeresböden weitgehend intakt. Die Ionische See trifft hier auf eine zerklüftete Felsenküste mit Unterwasserhöhlen, Posidonia-Seegraswiesen und einem überraschend reichhaltigen Bestand an Tintenfischen, Langusten und Zackenbarschen. Die Sichtweite erreicht zwischen Mai und Oktober regelmäßig 20 bis 30 Meter; Wassertemperaturen steigen im Hochsommer auf 26 °C. Wer abseits ausgetretener Pfade tauchen will, ist hier richtig.
1. Halbinsel Karaburun, Südalbanien
Die wilde Karaburun-Halbinsel ist der Kern albanischen Sporttauchens. Unter ihren Steilklippen fallen Felswände senkrecht auf 40 Meter und tiefer ab; an geschützten Stellen öffnen sich Höhlen, in denen Taschenlampen Tintenfische und Langusten aufblitzen lassen. Die Fauna ist unberührt: Oktopusse sitzen auf Posidonia-Matten, Zackenbarsche von stattlicher Größe patrouillieren die Felsübergänge. Empfohlenes Zertifikat: Open Water. Beste Saison: Mai bis Oktober. Strömung gering bis moderat; Nordwind kann Seegang erzeugen.
2. Insel Sazan, Vlora-Bucht
Sazan war bis 1997 ein militärisches Sperrgebiet der albanischen Marine — und das merkt man. Die Unterwasserwelt um die Insel ist von einer Dichte, die anderswo im Mittelmeer selten ist. Wracks aus der kommunistischen Ära rosten auf sandigen Böden zwischen 18 und 35 Meter; Kormoranzüge und Delfine kreisen über der Oberfläche. Der Zugang ist genehmigungspflichtig; organisierte Tauchtouren aus Vlora sind die einzige praktische Option. Fortgeschrittene Taucher profitieren hier besonders: Wracktauchen und steilere Abstürze lohnen das Advanced-Zertifikat.
3. Porto Palermo, Ionische Küste
Die fast völlig geschlossene Bucht von Porto Palermo bot der albanischen Marine jahrzehntelang einen geheimen U-Boot-Stützpunkt. Einige der untergetauchten Strukturen sind heute Tauchattraktion: Betonrampen, Halterungen und metallische Überreste in 10 bis 22 Meter Tiefe bieten Kulisse für Loup de Mer und Cephalopoden. Über den Kasematten wächst üppiger Bewuchs aus Korallen und Schwämmen. Beste Sichtweite im Frühling. Geeignet für Open-Water-Taucher; keine nennenswerte Strömung in der Bucht.
4. Kakome Bay, südlich von Himara
Kakome ist eine fast vollständig abgeschlossene Bucht mit smaragdgrünem Wasser und kaum touristischer Infrastruktur. Unter Wasser: ausgedehnte Posidonia-Wiesen bis 12 Meter Tiefe, danach felsige Hänge mit Muränen und Rotbarben. Seepferdchen werden von lokalen Tauchern gelegentlich gesichtet. Mit einer Durchschnittstemperatur von 22–24 °C im Sommer ist die Bucht für Einsteiger ideal. Ruhigste Bedingungen morgens; Nachmittagswinde können kurz auffrischen.
5. Bucht von Vlora, Flachwasserriffe
Die Bucht von Vlora selbst bietet keine spektakulären Abgründe, ist aber logistisch der beste Ausgangspunkt für mehrtägige Tauchtrips. Lokale Tauchzentren organisieren Bootsausflüge zur Karaburun-Halbinsel und zu Sazan. Die flachen Riffe direkt in der Bucht (4–12 Meter) eignen sich für Wiedereinsteiger und für Nachttauchgänge, bei denen Oktopusse und Langusten aktiv sind. Wassertemperatur Juli/August: 25–26 °C.
6. Küste bei Himara, Nordwand
Nördlich von Himara beginnt eine bis zu 35 Meter tiefe Steilwand, die von Gorgonien und Purpurkorallen bewachsen ist. Blasser Meeresaal, Pfauenwrasse und Bläuliche Falterfische beleben das Bild. Aufgrund des offenen Meeres ist die Stelle stärker strömungsbeeinflusst als die Baien weiter südlich; ein Advanced-Zertifikat und eine Erfahrung mit Strömungstauchgängen sind empfehlenswert. Beste Saison: Juni bis September.
7. Unterwasserhöhlen bei Sazan
Rund um Sazan gibt es mehrere Durchschwimmhöhlen in 8 bis 20 Meter Tiefe. Eine davon öffnet sich in eine erleuchtete Kammer, in der Tageslicht von oben durch eine Spalte fällt und Korallenschwämme in orangegelben Tönen leuchten. Kein Höhlentauchzertifikat erforderlich für die Einfahrtszonen, aber Tauchlampe ist Pflicht. Beste Sicht zwischen April und Juni, wenn Planktonblüten das Wasser noch nicht trüben.
8. Felsriff bei Lukova
Lukova, ein kleines Küstendorf zwischen Saranda und Himara, hat ein wenig besuchtes Riff direkt vor dem Dorf in 6 bis 18 Meter Tiefe. Hier ist die Dichte an Tintenfischen und Langusten besonders hoch, weil kommerzielle Fischerei in diesem Abschnitt wenig aktiv ist. Idealer Spot für Unterwasserfotografen auf der Suche nach Makromotiven. Kein Tauchzentrum vor Ort; Anreise mit eigenem Equipment aus Saranda.
9. Saranda Hafenmauer
Der alte Fischerhafen von Saranda bietet einen ungewöhnlichen Stadtrand-Tauchgang: Entlang der Steinmauer in 4 bis 10 Meter Tiefe leben Moschusoctopusse, bunte Lippfische und gelegentlich Seenadeln. Ein Wrack eines kleinen Holzbootes liegt auf dem Sandboden. Für Nachttauchgänge geeignet; Strömung gering. Ideal für Schnorchler und OW-Taucher gleichermassen.
10. Butrint Lagune, UNESCO-Welterbe
Die Lagune bei Butrint, dem archäologischen UNESCO-Welterbe, ist kein offiziell ausgewiesener Tauchplatz, wird aber von lokalen Guides begleitet betaucht. Unter Wasser liegen antike Keramikscherben und Strukturen aus der griechischen und römischen Epoche. Sicht ist saisonabhängig und oft begrenzt (5–8 Meter); die kulturhistorische Dimension macht den Tauchgang dennoch außergewöhnlich. Genehmigung erforderlich; ausschließlich mit zugelassenem Guide.
Praktische Hinweise
Die beste Reisezeit für Albanien ist Mai bis Oktober; Juli und August bieten die wärmsten Wassertemperaturen (24–26 °C), aber auch den stärksten Touristenandrang an der Oberfläche. Die wenigen professionellen Tauchzentren sind in Vlora und Saranda konzentriert; Equipment-Verleih und Bootsausfahrten lassen sich dort buchen. Eine eigene Grundausrüstung mitzubringen ist ratsam. Ein albanisches Einstiegsvisum ist für EU-Bürger nicht erforderlich. Zur interaktiven Karte für eine Übersicht aller eingetragenen Tauchplätze entlang der albanischen Küste.