Die 10 besten Tauchplätze in Irland
Irland ist Kalt-Wasser-Tauchen in seiner besten Form – und das ist keine Entschuldigung, sondern eine Ansage. Wer einen Trockenanzug trägt und bereit ist, sich mit dem Atlantik auseinanderzusetzen, findet hier Sichtweiten von 15 bis 30 Metern, Kelp-Wälder von beeindruckender Tiefe, Wracks aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und Tiere, die in warmen Gewässern nicht vorkommen: Grundhaie, Seehunde, Wasserschnecken in Metergröße und eine Vielfalt an Stachelhäutern, die jeden Biologen begeistert. Das irische Tauchen wird vom Irish Underwater Council (Comhairle Fo-Thuinn) koordiniert, einem der aktivsten nationalen Tauchverbände Europas, mit Clubs in jedem Küstenstädtchen. Wassertemperaturen liegen zwischen 8 Grad im Winter und 16 Grad im Hochsommer.
1. Malin Head, County Donegal
Malin Head ist Irlands nördlichster Punkt und ein atlantischer Eckpfeiler: Auf der Westseite fallen Klippen und Unterwasserwände in Tiefen von über 40 Metern, geprägt von starken Tidenströmungen, die Plankton und damit pelagische Tiere anziehen. Blaue Haie (Blauhai) schwimmen hier im Sommer durch; Riesenzackenbarsche, Seewölfe und Lippfische sind Stammgäste. Erfahrene Taucher mit Trockenanzug und Strömungskenntnissen; beste Bedingungen zwischen Juni und September bei Neap-Tide. Liveaboard-Ausfahrten empfohlen.
2. Hook Head, County Wexford
Hook Head im Süden ist ein ganz anderer Charakter: ein ausgedehntes Felsenriff mit Kelptälern, Höhlen und gut erhaltenen Wrackteilen aus einem halben Jahrhundert Seefahrtsgeschichte. Seehunde halten hier Hof und nähern sich neugierigen Tauchern bis auf wenige Meter. Sichtweiten bis 20 Meter im Sommer; Wassertemperatur gemäßigt durch Einfluss des Atlantikstroms. Guter Einstiegspunkt für Erstbesucher Irlands: komfortabel, reichhaltig und nicht übermäßig stark strömend.
3. Die Skelligs, County Kerry
Skellig Michael und Little Skellig sind Weltkultur- und Naturerbe zugleich. Unter Wasser setzen sich die Dramatik der steilen Felseninseln fort: Wände, die in 30 Meter Tiefe fallen, vollständig besetzt mit Plumosaanemonen, Seenelken und massiven Muschelbänken. Grylltölpel-Tauchgänge vom Klipper; Papageientaucher begleiten Taucher gelegentlich an der Oberfläche. Anfahrt per Charterschiff von Portmagee oder Cahersiveen; Atlantik-Exposition erfordert gute Wetterfenster.
4. Baltimore, County Cork
Baltimore ist das Tauchdorf der Südküste und Ausgangspunkt für einen der reichhaltigsten Tauchgebiete Irlands: die Sherkin Island-Passage und die Farne-Riffe der Küste. Wracks liegen in 15 bis 30 Metern Tiefe – die City of Chicago, ein Dampfer von 1893, und die M/V Kowloon Bridge, ein Massengutfrachter von 1986, sind die bekanntesten. Tauchclubs und kommerzielle Operators in Baltimore bieten Tagesausfahrten; Unterkünfte reichlich vorhanden.
5. Rathlin Island, County Antrim
Rathlin liegt vor der Nordküste Nordirlands und bietet ein besonderes Tauchen: Kelp-Wälder mit Sichtweiten, die in Nordirland selten sind; Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg in 20 bis 35 Metern; und den HMS Drake, ein Kreuzer der Royal Navy, der 1917 nach einem U-Boot-Angriff sank und heute als ein der besten Wrack-Tauchgänge Irlands gilt. Graue Seehunde sind ganzjährig präsent und gewöhnt an Taucher.
6. Killary Fjord, County Galway
Killary ist Irlands einziger echter Fjord – und ein Shore-Dive-Erlebnis besonderer Art. Die engen Ufer konzentrieren den Auftrieb; Langusten, Hummer und riesige Krauskrabben sind in Tiefen unter 10 Metern zu finden. Sichtweite variabel je nach Regenmenge der Vorwoche; im Hochsommer bis 15 Meter. Ein Platz für geduldige Taucher, die Kaltwasser-Makro schätzen.
7. Mulranny, County Mayo
Mulranny an der Wild Atlantic Way bietet ein exponiertes atlantisches Riff mit stabilen Strukturen, zwischen denen Dreizack-Anemonen, Seehunde und kleine Katzenhaie leben. Shore Diving von kiesigen Buchten; keine Boots-Infrastruktur vor Ort. Der Connacht-Unterwasserverband bietet hier regelmäßig Vereinstauchgänge an; Einzel-Taucher sollten sich anschließen, um lokale Kenntnis zu nutzen.
8. Lough Hyne, County Cork
Lough Hyne ist ein Meersalzwasser-See mit einzigartiger Biologie: Durch einen engen Kanal tritt und tritt Gezeitenwasser ein; innen herrschen stabile, ruhige Bedingungen. Forscher der University College Cork haben hier über Jahrzehnte Meerbiologie betrieben; der See ist Europas erstes offiziell ausgewiesenes Meeresreservat (1981). Tauchen nur mit Genehmigung; die Fauna ist ungewöhnlich: Mittelmeer-Arten finden sich hier wegen des wärmeren Mikro-Klimas.
9. Arranmore Island, County Donegal
Arranmore liegt vor der Donegal-Küste und bietet Tauchen mit Grundhaien (Centroscymnus) auf tieferen Profilen sowie Kelp-Wände und Fels-Terrassen mit exzellenten Sichtweiten. Die lokale Tauchgruppe organisiert gelegentliche Expeditionsausfahrten; Tagestourist-Infrastruktur existiert nicht. Ein Platz für den ernsthafte Irland-Taucher.
10. Clare Island, County Mayo
Clare Island am Eingang der Clew Bay bietet ein vollständiges Riff-Profil: flaches Korallenriff innen (kalt-wassertypische Steinkorallen), steilere Wände mit Anemonen außen, Kelp-Wald auf der Schattenseite. Grüne Seeigel in Mengen; Seehunde, Tümmler gelegentlich sichtbar. Fährverbindung von Roonagh Quay; Tauchcamp auf der Insel in Betrieb.
Praktische Hinweise
Die irische Tauchhochsaison läuft von Mai bis September, mit dem besten Sichtenster im Juli und August. Ein Trockenanzug ist für mehr als ein paar Oberflächentauchgänge obligatorisch; die Wassertemperatur erlaubt keinen Semidry für ganztägiges Tauchen. Der Irish Underwater Council (CFT) ist die erste Anlaufstelle für Clubverbindungen, Versicherung und regionale Tauchführer. Für Wracktauchen empfiehlt sich Vorab-Recherche über Genehmigungspflichten; einige Wracks stehen unter Denkmalschutz. Alle eingetragenen Tauchplätze Irlands sind auf der interaktiven Karte zu finden.