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Die Geschichte des Gerätetauchens

Die ersten Atemgeräte: Helme und Schläuche

Menschen tauchen seit Jahrtausenden. Perlentaucher, Schwammtaucher und Kriegstaucher nutzten jahrhundertelang nur ihre Lungenkapazität. Die technische Geschichte des Gerätetauchens – also das Tauchen mit mitgeführtem Atemgas – beginnt aber erst im 17. und 18. Jahrhundert mit ersten ernsthaften Experimenten.

Der Taucherhelm in seiner frühen Form erschien um 1820. Der englische Ingenieur Charles Deane entwickelte um 1823 ein Rauchhelm-System zur Brandbekämpfung, das er bald als 'Diving Dress' für Bergungsarbeiten unter Wasser adaptierte. Sein Bruder John verfeinerte das Design, und gemeinsam mit dem Ausrüstungshersteller Augustus Siebe entwickelte Charles Deane den Vorläufer des Hartschalen-Taucherhelms. Siebe baute 1837 eine geschlossene Version des Systems, die Luft von der Oberfläche über einen Schlauch pumpt – das Prinzip des Standardtauchgeräts (Standard Diving Dress), das die nächsten hundert Jahre das Tiefseetauchen dominieren sollte.

Diese Helmtaucher arbeiteten auf Wracks, legten Telegraphenkabel und führten Hafenbauarbeiten durch. Das berühmteste Beispiel in Deutschland ist die Bergung der versenkten deutschen Flotte in Scapa Flow nach 1919, bei der britische und später schottische Taucher in Standargeräten-Ausrüstung jahrelang Metall bargen. Die Arbeit war gefährlich, die Dekompressionskenntnisse rudimentär, und Taucherkrankheit war ein häufiges Berufsrisiko.

Sauerstoff-Kreislaufgeräte und frühe Pioniere

Parallel zu Druckluftgeräten entwickelten sich im 19. Jahrhundert geschlossene Kreislaufgeräte auf reiner Sauerstoffbasis, zunächst für Bergarbeiter und Feuerwehrleute in sauerstoffarmen Umgebungen. Henry Fleuss entwickelte 1878 das erste funktionsfähige selbstständige Tauchergerät auf Sauerstoffbasis, das unabhängig von einem Oberflächenschlauch funktionierte.

Diese frühen Rebreather hatten einen praktischen Nachteil: reiner Sauerstoff ist in Tiefen über 6 Meter unter Druck toxisch. Trotzdem wurden sie für Kampftaucher im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt – die Tiefenbeschränkung war für Hafenoperationen und Minen-Entschärfungen oft akzeptabel. Italienische Kampfschwimmer (Froschmänner, 'Uomini Rana') setzten im Zweiten Weltkrieg Sauerstoff-Rebreather bei Angriffen auf britische Kriegsschiffe in Gibraltar und Alexandria ein.

1943: Der Aqua-Lung und die Geburtsstunde des modernen Tauchens

Das Datum, das die Geschichte des modernen Gerätetauchens teilt, ist 1943. In diesem Jahr entwickelten der französische Marineoffizier und Filmemacher Jacques-Yves Cousteau und der Ingenieur Émile Gagnan gemeinsam den 'Aqua-Lung' – einen Demand-Regler, der Druckluft aus einer auf dem Rücken getragenen Stahlflasche automatisch in Atemtiefe-angepassten Druck umwandelt.

Das Prinzip des Demand-Reglers war nicht völlig neu – frühere Konzepte existierten – aber Gagnan und Cousteaus Konstruktion war das erste zuverlässig funktionierende, kommerziell herstellbare System. Die erste erfolgreiche Verwendung fand im Juni 1943 in der Marne statt; Cousteau beschrieb später, dass er die Freiheit des ungebundenen Unterwasserschwimmens als etwas fundamental Neues erlebte. 'Wir haben den stillen Ozean entdeckt', schrieb er.

Cousteau selbst wurde zum wichtigsten Botschafter dieser Technologie. Sein Buch 'Le Monde du Silence' (1953) und der gleichnamige Dokumentarfilm (1956, gemeinsam mit Louis Malle, Goldene Palme in Cannes) brachten die Unterwasserwelt einem Weltpublikum näher. Seine Fernsehserie 'The Undersea World of Jacques Cousteau' lief von 1966 bis 1976 und machte das Tauchen in Nordamerika und Europa populär wie nichts zuvor.

Die Entwicklung der Taucherindustrie: 1950er bis 1970er

Der Aqua-Lung wurde zunächst von Gagnan und Cousteau an US Divers (heute Aqua Lung International) lizenziert und in den USA vermarktet. In den 1950er Jahren begannen Taucher in Kalifornien, Floridas Springs und dem entstehenden Scuba-Tourismus auf den Karibikinseln das neue Gerät zu nutzen.

Die erste Tauchschule der Welt, 'The National Association of Underwater Instructors' (NAUI), wurde 1959 gegründet. PADI, heute die weltgrößte Tauchagentur, folgte 1966. Diese Organisationen schufen die Zertifizierungsstrukturen und Lehrpläne, die das Sporttauchen sicher und zugänglich machten.

Ausrüstungstechnisch entwickelte sich in dieser Periode vieles rasant. Neoprenanzüge entstanden in Berkeley, Kalifornien, aus Forschungen der US Navy Anfang der 1950er Jahre. Der erste kommerziell erhältliche Neoprenanzug wird Hugh Bradner vom Scripps Institution of Oceanography zugeschrieben. Die Jacket-Bouyancy Compensator (BCD) löste im Laufe der 1960er und 70er Jahre den frühen Rucksack ohne Tarierungsfunktion ab.

Tauchcomputer im modernen Sinne kamen in den 1980er Jahren. Der Orca Edge (1983) und kurz danach die Cochran-Geräte waren die ersten kommerziellen Modelle, die No-Decompression-Limits in Echtzeit berechnen konnten.

Das Sporttauchen wird global: 1980er bis heute

In den 1980er und 1990er Jahren explodierte der Tauchtourismus. Ägypten öffnete das Rote Meer für europäische Taucher; Australien entwickelte den Great Barrier Reef-Tourismus; Thailand, Indonesien, die Philippinen und die Malediven wurden zu Zielen, die Millionen von Tauchern anlockten.

Die Wachstumsraten bei Zertifizierungen erreichten ihren Höhepunkt in den 1990er Jahren. PADI zertifiziert heute jährlich weit über eine Million neue Taucher weltweit. SSI, NAUI, CMAS und eine Reihe nationaler Organisationen sind parallel gewachsen.

Technologisch veränderten Computerisierung, Nitrox und Rebreather das Tauchen grundlegend. Die Kamera-Revolution – erst mit kleinen Videokameras in wasserdichten Gehäusen, dann mit digitalen Kompaktkameras und heute mit GoPro-Systemen und spiegellosen Kameras in professionellen Unterwassergehäusen – machte Unterwasserfotografie und -film zugänglich für jeden Taucher.

Cousteau und sein Erbe

Es wäre unvollständig, die Geschichte des Gerätetauchens zu erzählen, ohne auf die ambivalente Rolle Cousteaus einzugehen. Seine frühen Dokumentarfilme zeigen Szenen, die heutigen Taucherstandards widersprechen: Tiere getötet für filmische Dramatik, Sprengstoffangeln im Ozean, keine Schutzmaßnahmen für Korallenriffe. Cousteau selbst wandelte sich – in seinen späteren Jahren wurde er zu einem ausgeprägten Umweltschützer und gründete die Cousteau Society. Sein Sohn Jean-Michel führt dieses Erbe fort.

Das Sporttauchen von heute trägt Cousteaus Fingerabdruck: das grundlegende Gerät ist dasselbe Demand-Regler-Prinzip von 1943, und die Faszination für die Unterwasserwelt, die er einem Weltpublikum vermittelt hat, ist das stärkste Erbe überhaupt.

Auf der interaktiven Karte lassen sich viele der Orte finden, die die Geschichte des Gerätetauchens geprägt haben – von den Wracks in Scapa Flow bis zu den Riffen im Roten Meer, die Cousteau selbst filmte.