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Saisonales Tauchen rund um die Welt

Warum die Jahreszeit über alles entscheidet

Tauchen ist nicht das ganze Jahr über überall gleich. Monsunregen trübt das Wasser, Winterstürme peitschen Atlantikküsten, und die beeindruckendsten Tierbegegnungen sind an Jahreszeiten gebunden, die oft eng terminiert sind. Wer die besten Erlebnisse will, plant nicht nach Urlaubskalender, sondern nach biologischen und ozeanografischen Zyklen.

Die gute Nachricht: Die Tauchsaisons weltweit sind gut verteilt. Jeder Monat des Jahres bietet irgendwo auf der Welt Weltklassetauchen.

Januar und Februar: Rotes Meer, Südasien, Pazifik

Der Januar gehört dem nördlichen Roten Meer. Hurghada und Sharm el-Sheikh verzeichnen in diesen Monaten klares Wasser mit Sichten bis zu 30 Metern, Wassertemperaturen um 21 bis 23 Grad Celsius und nahezu stabiles Wetter. Die Touristenzahlen sind niedriger als im Sommer, was Tauchgänge auf klassischen Spots wie dem Ras Mohammed National Park oder am Wrack der SS Thistlegorm angenehmer macht.

Gleichzeitig beginnt in Sri Lanka an der Ostküste – Trincomalee und Pigeon Island – die beste Saison. Wale werden in dieser Zeit zwischen Januar und März gehäuft gesichtet, darunter Blauwale, die in den Gewässern vor Mirissa überwintern. Das Tauchen am Wrack der HMS Hermes vor Trincomalee, eines der tiefsten gesunkenen Flugzeugträger der Welt auf rund 54 Meter Tiefe, ist in dieser Jahreszeit am besten.

In Mikronesien auf Palau sind Januar und Februar Teil der Trockenzeit. Blue Corner, Jellyfish Lake und German Channel zeigen sich von ihrer besten Seite. Mantas sammeln sich am German Channel regelmäßig, und die Haifischpopulationen am Blue Corner sind das ganze Jahr über bemerkenswert, mit besonderer Dichte in dieser Saison.

März und April: Ostpazifik, Galapagos, Südostasien

Für Galapagos gilt März als einer der besten Monate. Die Wassertemperatur ist noch vergleichsweise warm – um 22 bis 25 Grad Celsius – bevor der kältere Humboldt-Strom im Mai und Juni stärker einsetzt. Hammerhaie an Gordon Rocks, Darwin und Wolf Island sind mit dem kälteren Wasser häufiger anzutreffen, aber März bietet einen Kompromiss aus Häufigkeit und Komfort.

In Thaliand öffnet sich das Fenster für die Similan Islands und Richelieu Rock von Oktober bis Mai. Im März und April sind die Bedingungen im Andamanischen Meer ideal: Walshaie tauchen regelmäßig an Richelieu Rock auf – einem flachen, korallenbedeckten Unterwasserseeberg, der zu den produktivsten Tauchplätzen des Indopazifiks zählt. Die Kombination aus Walshai-Sichtungen, Mantarochen und reichem Riff-Leben macht diesen Platz zu einem der begehrten Destinationen weltweit.

Mai und Juni: Malediven, Südafrika, Japan

Die Malediven-Süd-Atoll-Region erlebt von Mai bis November durch den Southwest Monsoon höhere Strömungen und planktonreicheres Wasser – was Mantas anzieht. An Manta Point im Ari-Atoll und am Fish Head (Mushimasmingili) im Nord-Ari-Atoll versammeln sich zwischen Mai und November regelmäßig Mantarochen, manchmal in Gruppen von zwanzig oder mehr Tieren.

Der berühmte Sardinen Run vor der Südostküste Südafrikas findet zwischen Mai und Juli statt. Milliarden von Ölsardinen wandern entlang der Wild Coast nordwärts, gefolgt von Delfinen, Biesenmaulhaien, Koppelwalen und Ganeten. Tauchen und Schnorcheln in diesem Naturschauspiel – von Organisatoren wie African Dive Adventures oder African Watersports logistisch aufwändig arrangiert – zählt zu den spektakulärsten Tierbegegnungen, die das Meer bietet.

In Japan öffnet die Saison auf Okinawa. Von Mai bis September sind die Wassertemperaturen angenehm – zwischen 25 und 30 Grad – und die Riffe um Kerama, Ishigaki und Yonaguni zugänglich. Walshai-Sichtungen in der Yonaguni-Region beginnen um diese Zeit.

Juli und August: Marokko, Kona, Schottland

Der nordatlantische Sommer bringt einige Überraschungen. Vor der Küste Marokkos und auf den Kanarischen Inseln sorgt der kühle Kanarenstrom für gute Sicht und teils spektakuläre Haifischbegegnungen. Blue Sharks (Blauhaie) tauchen in den Gewässern zwischen dem Festland und den Inseln im Sommer regelmäßig auf – ein Erlebnis, das immer mehr Eco-Diver-Operatoren anbieten.

In Hawaii ist die Manta-Saison vor der Kona-Küste auf Big Island das ganze Jahr über aktiv, aber der Juli und August bringen besonders ruhiges Wasser. Die nächtlichen Manta-Tauchgänge vor der Küche Gardens Resort sind weltberühmt: Taucher kauern auf dem Sandboden mit Tauchlampen in der Hand, und die Mantas kreisen über ihnen, um Plankton aufzufangen, das durch das Licht angelockt wird.

In Schottland – und das überrascht manche – sind Juli und August die beste Zeit für Scapa Flow in den Orkney-Inseln. Die versenkten Schiffe der Deutschen Hochseeflotte, die 1919 selbst versenkt wurden, sind die bedeutendste Wreckdiving-Destination Nordeuropas. Die Smir – ein Linienschiff von 185 Metern Länge – liegt auf 45 Metern Tiefe. Im Sommer sind die Tagestunden lang, die Wassertemperaturen akzeptabel (um 12 bis 14 Grad) und die Bedingungen zum Wreck-Tauchen gut.

September und Oktober: Galapagos, Ägypten, Azoren

Im September und Oktober setzt in Galapagos die Phase mit dem kältesten Wasser und der höchsten Meeresproduktivität ein. Hammerhaie in großen Schulen sind um Darwin und Wolf Island präsent; Walhaie tauchen an beiden Standorten auf; der Tigerhai ist ein häufiger Besucher in tiefen Kanälen. Die Wassertemperatur kann auf 18 Grad oder darunter sinken – ein 7-mm-Neoprenanzug ist Pflicht.

Im Roten Meer beginnt die Herbstsaison in Ägypten, mit ruhigerem Wetter und guten Bedingungen sowohl am Nordriff als auch in der entfernteren Südregion rund um den St. Johns Reef und die Daedalus Reef. Walhaie werden in dieser Jahreszeit gelegentlich in der Strait of Tiran gesichtet.

Die Azoren gelten im Oktober als Peak für Blauen Haifisch und Seidenhaifisch-Begegnungen. Die Gewässer rund um Santa Maria und São Miguel sind bei erfahrenen Bluewater-Tauchern und Haifischfotografen bekannt. Gleichzeitig ist die Herbstzeit für Whale Watching und Riesenhai-Sichtungen rund um die Westküste Schottlands und Irlands bekannt.

November und Dezember: Malediven, Belize, Indonesien

In den nördlichen Malediven-Atolls beginnt mit dem Wechsel des Monsuns im November wieder klareres, ruhigeres Wasser. Raja Ampat in Westpapua, Indonesien, ist von Oktober bis April ebenfalls am besten zugänglich – die Regenzeit bringt gelegentliche Schauer, aber kaum die Wellengänge und starken Winde der Ostsaison.

Belize bietet von November bis April stabiles karibisches Tauchklima. Das Great Blue Hole, die Atolle der Lighthouse Reef und die Riffwände des Turneffe Atoll zeigen sich in dieser Jahreszeit von ihrer klarsten Seite. Hammerhaie und Riffhaie sind in der Trockensaison regelmäßig zu sehen.

Die Karte als saisonales Planungswerkzeug

Wer nach diesen Angaben konkrete Tauchplätze suchen möchte, findet auf der interaktiven Karte eine aktuelle Übersicht von Tauchplätzen weltweit. Für detailliertere saisonale Planung lohnt es sich, regionale Tauchbasen direkt zu kontaktieren – sie wissen am besten, was die aktuelle Saison bringt.

Planungsgrundsätze

Kein Monat ist überall perfekt, und saisonale Vorhersagen sind keine Garantien. El-Niño-Jahre können saisonale Muster drastisch verschieben. Korallenbleiche tritt unabhängig von Saisons auf. Ein Tauchziel sorgfältig zu recherchieren, mehrere Quellen zu vergleichen und ein Zeitfenster zu wählen, das dem Ziel und nicht dem Reiseprospekt entspricht, ist die verlässlichste Methode für eine gute Taucherfahrung.